Wann ist ein Pferd ‚Alt’?

Früher oder später stellt sich jeder verantwortungsbewusste Pferdehalter diese Frage, die jedoch nicht allgemein beantwortet werden kann. Der Alternsprozess des Pferdes ist überwiegend durch degenerative Veränderungen und funktionelle Verluste geprägt. Das Alter in Jahren ist demnach keine Objektive Größe, sondern von verschiedenen Faktoren abhängig. Neben guten Erbanlagen und einer optimalen Aufzucht kann jeder Pferdehalter selbst von Anfang an dazu beitragen. Adäquate Haltung und Fütterung, gute Pflege, ausreichend Bewegung und umsichtiges Reiten tun ihr übriges für die Gesunderhaltung des Pferdes. Dies sind natürlich nur ein paar beeinflussbare Faktoren, die dazu beitragen das manche Pferde mit 22 Jahren noch topfit sind und andere bereits mit 16 Jahren nicht mehr.

 

Einige Beispiele für sehr alte und trotzdem noch reitbare Pferde finden sich hierzu in der Literatur:

In ‚Das Buch vom Pferde’, von Wrangel wird über ein Hengstfohlen geschrieben, das am 14.04.1830 im Elsaß geboren wurde, und 41 Jahre später als Wallach im Feldzug 1870/71 noch schwere Dienste als Vorspannpferd verrichtete. Er leistete 3 Monate bei der Belagerung von Paris harte Arbeit, und kam laut seinem Besitzer in sehr guter Verfassung wieder im Elsaß an.

In ‚Der Logik der Reitkunst’, von Spohr wird von einer 58 jährigen arabischen Schimmelstute berichtet, die ihren Besitzer noch beim täglichen Spazierritt trug.

Je ‚Älter’ ein Lebewesen wird, desto eingeschränkter werden die Anpassungsmöglichkeiten an physische und psychische Geschehnisse.

So führt z.B. die verminderte Leistungsfähigkeit des Atem-, Herz- und Kreislaufsystems im Laufe der Zeit zu einer Abnahme der Leistungsfähigkeit des Pferdes.

Ein weiteres Problem kann durch den Verlust der Zähne oder der im Alter veränderten Gebissstellung entstehen. Durch die erschwerte Futteraufnahme und -verwertung kann es zur Abmagerung des Pferdes kommen.

Außerdem werden viele Pferde im Alter Schreckhaft und Scheuen entsprechend vermehrt. Das kann zum einen daran liegen, dass das Pferd als Fluchttier spürt, das es bei Gefahr nicht mehr so schnell wegkommt. Zum anderen kann das nachlassen der Seh- und Hörkraft ein Grund dafür sein.

Äußere Merkmale können auch auf ein höheres Alter hin deuten. Neben dem vermehrten grauen Stichelhaar am Kopf kann bei einigen Pferden z.B. der Beginn einer Senkrückenbildung oder die Entstehung einer Vorbiegigkeit an den Vordergliedmaßen beobachtet werden.

 

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