Physiotherapeutische Möglichkeiten 

Pferde ab einem Alter von 10 – 15 Jahren, reagieren in der Therapie anders, als junge Pferde. Ältere Pferde haben, im Gegensatz zu den Jungen, bereits viele Kompen-sationen für die körperlichen Blockaden aufgebaut. Dadurch wird das eigentliche Problem überlagert, die Kompensationen verselbstständigen sich und bilden weitere eigenständige Probleme aus. Die Therapie, ebenso wie die Zielsetzung, gestaltet sich dementsprechend anders als bei jüngeren Pferden. Manipulationen werden Aufgrund der Gefahr massiver Degenerationen nicht durchgeführt, bei palpierten Wirbelkörper-verstellungen kann es sich um Verformungen handeln, Blockierungen können nicht immer vollständig gelöst werden, außerdem benötigt der alte Organismus mehr Zeit zur Regeneration.

Um einen Behandlungserfolg bei den älteren Tieren zu erzielen, sollte die manuelle Therapie behutsamer und zugleich langwieriger erfolgen. Dabei ist das Erreichen des „Joint play“ (Gelenkspiel) in einem Gelenk wichtiger, als die Wiederherstellung der Gesamtbeweglichkeit oder der Normalstellung.

Zum Erreichen dieses Therapiezieles bieten sich vor allem unspezifische Techniken aus dem Massagebereich an, wie z.B. Wärmeanwendung und Traktionen.

Während der Traktion kann vorsichtig korrigierend auf die Gelenkstellung eingewirkt werden. Um den Energiefluss, den Lymphfluss, die Durchblutung und den harmonischen Muskelzug zu unterstützen, kann z.B. während der passiven Rückenaufwölbung die Sacrumspitze leicht hin- und her bewegt werden. Ziel der Behandlung sollte die sanfte Beseitigung der Funktionsstörungen sein, um dem Organismus Energie für Kompensationsmechanismen zu geben, für die strukturellen Veränderungen, die nicht mehr zu beseitigen sind.

Ein weiterer Schwachpunkt der alten Pferde ist der Respirationstrakt (Atemtrakt). Dieser verliert mit der Zeit seine Fähigkeit zur Sekretion (Absonderung). Der von der Lunge produzierte Schleim ist sehr wichtig für die Abwehr von Erkrankungen und der Reinigung der Lunge. Wird davon weniger produziert, verdickt sich der verbleibende Schleim und ist somit schwerer lösbar. Die Schleimhautzilien verlieren teilweise ihre Fähigkeit den Schleim abzutransportieren. Dadurch können sich Fremdkörper und Erreger länger in der Lunge halten. Da auch der Hustenreiz später ausgelöst wird, besteht eine stärkere Tendenz zu chronischen Lungenerkrankungen. Das Ausstreichen der Intercostalräume und vorsichtige Klopfungen können den Abtransport des Schleimes erleichtern. Außerdem sollte das Pferd viel draußen bewegt werden und den Tag über auf einer Koppel mit vielen Bewegungsanreizen stehen.  

Pferde mit guten genetischen Veranlagungen, einer optimalen Haltung, die zudem noch gut geritten und gepflegt werden, deren medizinische Betreuung nicht vernachlässigt wird und denen genügend Zeit zum Ausheilen von Krankheiten und Blockierungen gegeben wird können stets ihre gesunde Mitte wieder finden und müssen keine Energien für Kompensationen aufbringen. Diese Pferde unterliegen keinem frühzeitigen Alterungsprozess und können lange vital bleiben. Gut betreut können Pferde ein hohes Alter erreichen, und in einem guten Gesundheitszustand altern. Der Besitzer sollte dem Auftreten von Beschwerden, seinen sie auch noch so klein, allerdings stärkere Beachtung schenken als bei den jüngeren Pferden. Veränderungen der Futter- und Wasseraufnahme, des Gewichtes, Harn- und Kotabsatzes sollten unter allen Umständen ernst genommen werden. Hier gilt ‚Vorbeugen ist besser als heilen’. Ältere Pferde sollten dennoch wie ganz normale Pferde behandelt werden, die eben nur eine etwas langsamere Regenerationsfähigkeit haben. 

 

  

 

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