Pflege und Haltung des alten Pferdes

Die Pflege und Haltung des alten Pferdes sollte vor allem der Gesunderhaltung dienen, da die Kompensationsmöglichkeiten und Regenerationsfähigkeiten nicht mehr bzw. nur noch in geringen Maßen vorhanden sind. Um die Lebensqualität möglichst lange zu erhalten, muss darauf geachtet werden, dass das Pferd weiterhin genügend und vor allem adäquate Bewegung bekommt. Auch hier gilt ‚wer Rastet, der Rostet’. So darf ‚Alten’, bzw. unreitbaren Pferden auf gar keinen Fall ihre bisherigen Aufgaben einfach entzogen werden. Die ‚wohlverdiente Ruhe’ beinhaltet nicht das übermäßige Schonen, das Abstellen in der Box, auf der Weide oder dem Paddock. Sie brauchen weiterhin Aufgaben und sollten Leistungen erbringen, die ihrer körperlichen Verfassung entsprechen.  

Die Pflege des Tieres, ebenso wie Zuneigung, darf im Alter ebenfalls nicht geringer werden. Die Pflege ist natürlich auch ein wesentlicher Punkt der Gesunderhaltung. So muss beim älteren Pferd u.a. auf Zähne, Gebissstellung und Hufpflege geachtet werden.

Die Zähne

Eine regelmäßige Kontrolle der Zähne ist gerade beim alten Pferd sehr wichtig, sollte aber auch beim jungen Pferd niemals vernachlässigt werden!

Da der Unterkiefer schmaler ist als der Oberkiefer, werden bei den seitlich ausgeführten, mahlenden Kauschlägen bestimmte Flächen vermehrt belastet. Hinzu kommt, dass Pferde auch bei der Kautätigkeit händig sind, d.h. sie haben eine bevorzugte Kauseite. Im Alter fallen diese Faktoren besonders ins Gewicht. Durch den unregelmäßigen Abrieb bilden sich an den äußeren Zahnrändern des Oberkiefers und den Inneren des  Unterkiefers scharfe Kanten und Spitzen, die zu Entzündungen und Verletzungen des umliegenden Gewebes führen.  

Entsprechend der Kauflächenabnutzung schiebt sich die Zahnwurzel langsam aus dem Kiefer heraus und verlängert den Zahn automatisch. Mit zunehmendem Alter nimmt die Zahnsubstanz ab und die Zähne verlieren den Halt im Kiefer, die Folgen davon sind Zahnverschiebungen oder Zahnverlust. Kommt es z.B. zum Verlust eines Backenzahnes kann der gegenüberliegende Zahn ungehindert aus dem Kiefer geschoben werden und verursacht dadurch erhebliche Schmerzen und Probleme bei der mechanischen Nahrungszerkleinerung. Ein weiteres Problem ist die Änderung der Gebissform, bzw. der Stellung der Schneidezähne. Die vormals stumpfwinkelige Stellung bekommt im Alter einen immer spitzeren Winkel.  

Defekte und Schmerzen in der Maulhöhle führen zudem zu muskulären Verspannungen im gesamten Körper, die zu einer schnelleren Immobilität führen können. Durch Probleme im Zahnbereich kommt es zu einer Einschränkung eines oder beider Kiefergelenke. Dadurch kommt es zu einem Hypertonus des M. masseter (Kaumuskel). Dieser bewirkt durch seine nervös-reflektorische Verbundenheit mit den oberflächlichen Kehlgang-muskeln und den kleinen Kopfgelenken eine Verspannung bzw. Blockierung der Kopfgelenksmuskeln. Die Verspannung dieser Muskeln hat wiederum eine Veränderung des Spannungszustandes der Stammesmuskulatur auf der blockierten Kopfseite zur Folge. Dadurch kommt es zu einer Stellungsänderung des Sacrums (Kreuzbein). Durch die großen Muskeln, die an Schädel und Kopfgelenken ansetzen, verspannt sich zudem auch die gesamte Vorhand, so dass der craniale bzw. caudale Raumgriff verkürzt ist.  

Je älter ein Pferd wird, desto regelmäßiger (d.h. mindestens 2-mal jährlich) sollten routinemäßige Zahnkontrollen vom Dentisten durchgeführt werden, da hier bereits kleine Veränderungen zu schwerwiegenden und oft unlösbaren Problemen führen können.

Die Zahnkontrolle sollte, sofern keine Gesundheitlichen Probleme dagegen sprechen, mit Maulgatter durchgeführt werden. Ohne Maulgatter können die letzten Molaren nicht erreicht werden. Bleiben in diesem Bereich Zahnhaken oder Zahndefekte unbehandelt, wird eine normale Kautätigkeit weiter verhindert und die Probleme bleiben bestehen.

 

Die Hufe

Die Hufe spielen im Leben des Lauf- und Fluchttieres eine große Rolle. Auch beim alten oder unreitbaren Pferd darf die Hufpflege nicht vernachlässigt werden.

Die Hufbearbeitung durch den Schmied sollte weiterhin in Abständen von 6 – 8 Wochen stattfinden.

Ist das Pferd sein Leben lang mit Eisen gelaufen, sollte es auch weiterhin einen Beschlag bekommen. Dies gilt natürlich erst recht, wenn es sich um einen therapeutischen Beschlag handelt.

Der Übergang zum Barhufgehen stellt für viele alte Tiere ein großes Problem dar. Sie benötigen mehr Zeit um sich an das Laufen ohne Beschlag zu gewöhnen, und bewegen sich dementsprechend nicht mehr so viel.

Durch die mangelnde Bewegung leidet neben dem Hornwachstum auch die Muskulatur. Diese atrophiert bei den älteren Tieren in relativ kurzer Zeit, was zu weiteren Bewegungseinschränkungen führen kann.

 

Haltung

Ältere Pferde sollten nicht gesondert oder, noch schlimmer, alleine gehalten werden. Sie benötigen ebenso wie junge Pferde den Schutz des Herdenverbandes. Der Halter muss jedoch darauf achten, dass das alte Pferd in einer Herde mit geringer Fluktuation steht. Nur so kann gewährleistet werden, dass es keine Nachteile bei der Futteraufnahme und dem Ruhe- und Liegeverhalten hat. Die Futteraufnahme und Verdauung muss im Auge behalten werden, um bei evtl. auftretenden  Problemen sofort eingreifen zu können. Auch schadet es nicht wenn einige jüngere (gut sozialisierte) Pferde in der Herde sind. Dadurch werden auch die älteren Tiere immer mal wieder zum spielen animiert und ‚rosten’ nicht ein.

 

 

 

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