Auswirkungen des Alters auf den passiven Bewegungsapparat

Verschleiß- und Abnutzungserscheinungen an Knochen und Gelenken, Gelenkblockaden, Atrophien sowie die Erschlaffung der Bänder, treten verstärkt bei älteren Pferden auf. Hierbei kann es sich um alterstypische Prozesse handeln. Die degenerativen Gelenkserkrankungen treten jedoch häufig auch schon in jüngeren Jahren auf. Gründe für ein frühzeitiges Auftreten, können neben Fehlstellungen und Verletzungen u.a. hohe Leistungsbeanspruchung oder ungünstige Haltungsbedingungen sein.

Bei den älteren Pferden finden sich häufig erhebliche degenerative Veränderungen am Stammesskelett. An Wirbelsäulenpräparaten von älteren Pferden können z.B. starke Veränderungen, wie z.B. Spondylosen oder Verformungen der Wirbelkörper und des Beckens, beobachtet werden.

Zu den typischen chronischen degenerativen Erkrankungen alter Pferde gehören u.a. Arthrosen, Spat, Erkrankungen des Rückens und der Wirbelsäule.

 

Arthrose

die Arthrose ist eine chronische Schädigung des Gelenkknorpels. Hervorgerufen wird diese degenerative Erkrankung z.B. durch nicht infektiöse Entzündungen der Gelenke, Bänder und Sehnen.

Weitere Ursachen können Überanstrengung bei der Reitarbeitoder falsche Trainingsarbeit sein. Die Grundlage für Arthrosen wird leider oft schon in jüngeren Jahren gelegt. Unsachgemäße Arbeitsweise, wie z.B.

falsches Longieren, permanente Versammlung oder zu frühes Anreiten gehören ebenso zu den ‚Wegbereitern’, wie Fehlstellungen oder schlechte Haltung/Aufzucht.

 

Spat

Unter Spat versteht man eine chronisch-deformierende Entzündung im Sprunggelenk. Die Entstehung von Spat wird u.a. durch Prellungen des Sprunggelenkes oder starke und wiederholte Stauchung und Rotationen der einzelnen Knochen des Sprunggelenkes, sowie durch schlechte Gymnastizierung begünstigt. Hierzu kommt es z.B. durch ziehen schwerer Lasten auf schlechten Wegen, Überanstrengung durch zu frühe Galopp- und Trabarbeit (aus diesem Grund ist diese Erkrankung häufig schon bei 3-jährigen zu finden) oder durch häufiges Reining, Roping und Cutting bei Western gerittenen Pferde.

Ein unsachgemäßer Hufbeschlag oder schiefes Beschneiden der Hufe zählen ebenso zu den Ursachen. Auch die mangelhafte Ausprägung des Sprunggelenks oder eine unregelmäßige Beinstellung, wie Säbelbeinigkeit, Fassbeinigkeit oder Kuhessigkeit begünstigen die Spatentstehung.

Erkrankungen der Vorderbeine

Chronische Erkrankungen an den Vordergliedmaßen führen fast immer zu einer Gewichtsverlagerung im Brustkorb, mit einer Verdrehung im cervico-thorakalen  Übergang und den entsprechenden Blockierungsfolgen der Halsbasis. Das diagonale Hinterbein kompensiert in der Bewegung das weniger belastungsfähige Vorderbein. Im Stand kompensiert wiederum das kontralaterale Vorderbein die erkrankte Gliedmaße. Als Folge daraus wird das Pferd schief, der Sattel passt nicht mehr und es biegt sich auf einer Seite schlechter. Durch diese Fehlbelastung und Schiefstellung bilden sich wiederum weitere Blockierungen in der Wirbelsäule.  

 

Erkrankungen des Rückens und der Wirbelsäule

Die Wirbelsäule eines älteren Pferdes ist, wie vieles andere auch, oftmals nicht mehr so flexibel. Als Ursache hierfür kommen entweder zahlreiche Extensionsblockierungen (Streckstellung der Wirbelsäule), die Erschlaffung des Bänderapparates oder natürliche Ankylosierungsprozesse (wie z.B. Kissing Spines) in Frage. Als Folge davon kann sich die  Wirbelsäule nicht mehr so selbstverständlich aufwölben und biegen. 

Ein weiteres Problem stellt das mangelhafte Untertreten der Hintergliedmaßen dar, was sich ebenfalls negativ auf die Wirbelsäule auswirkt. Ursachen hierfür können z.B. verklebte Fascien, Blockaden im Iliosakralgelenk oder der Lumbosakralgelenke sein. Tritt das Pferd nicht mehr korrekt unter den Schwerpunkt, ist ein Aufwölben der Wirbelsäule von caudal her nicht mehr möglich. Damit das Pferd einen Reiter, ohne strukturellen Schaden zu nehmen, tragen kann, muss es jedoch den Rücken aufwölben können. Das ist eine Grundvoraussetzung, um ein Pferd überhaupt reiten zu dürfen!

 

Sollte das Pferd noch reitbar sein, muss ein besonderes Augenmerk auf der Sattel-passform liegen. Durch die veränderte Rückenlinie und die oftmals atrophierte Muskulatur, passt der Sattel häufig nicht mehr. Meistens bildet der Sattel eine sogenannte ‚Brücke’ und liegt als Folge davon vermehrt im Bereich des Widerristes und der Lende auf.  Die Sattelpassform muss daher möglichst regelmäßig kontrolliert werden.

 

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