Beschäftigung des älteren Pferdes 

Der durch die Therapie erreichte Zustand muss durch aktive Arbeit gehalten werden. Um das erreichte Joint play nicht sofort wieder durch zuviel Extensionsbelastung zu gefährden, sollte möglichst wenig Gewicht auf dem Pferderücken lasten. Die durchzuführenden Aktivitäten müssen die Aufwölbung des Rückens fördern. Dies wird durch die ventrale Muskulatur und die Hinterhand erreicht. Als Übungen eignen sich z.B. das Rückwärtsrichten mit tief gehaltenem Kopf, Cavaletti Arbeit, Galoppaden auf gerader Strecke, oder Seitengänge vom Boden aus.

Der Einsatz von Hilfszügeln ist unter allen Umständen auszuschließen. Hierbei werden entweder die Halswirbelsäule und die vordere Brustwirbelsäule gestaucht, oder die Pferde versuchen durch Abknicken im dritten Halswirbel dem Druck im Maul auszuweichen. Das Hauptaugenmerk beim Training eines alten Pferdes ist nicht auf die Erbringung von Höchstleistungen zu legen, sondern vielmehr auf eine ausreichende sinnvolle Gymnastizierung und auf den Erhalt der Muskelmasse. Eine Aufwärmphase von mindestens 20 Minuten muss vor jeder Bewegung eingerechnet werden. Ein Kaltstart führt bei den älteren Pferden sehr schnell zu Muskelzerrungen, Sehnenschäden oder mikroskopischen Risse in der Knochensubstanz. Dies kann auch durch die länger dauernde Anpassung der Propriozeptoren erklärt werden. Diese Sensoren sind zuständig für die Stellung und Bewegung des Körpers im Raum. Sie liegen in den Bändern, Sehnen, Muskeln und Gelenkkapseln. Die Meldung dieser Sensoren an das ZNS benötigt auch beim jungen Tier eine gewisse Zeit, und erfolgt erst nach einer Anpassungsphase an die Bewegungen. Ältere Pferde leiden oft unter dem Verlust der propriozeptiven Fähigkeiten. Die Inaktivität der Propriozeptoren macht sich z.B. durch häufiges stolpern oder unkoordinierte Bewegungen nach längerem Stehen in der Box bemerkbar. Ein Training der Propriozeptoren kann entweder durch Führen auf unebenem Untergrund (Gelände) oder durch Laufen auf einer labilen Unterlage (z.B. Mattentraining) geschehen. Voraussetzung hierfür ist die absolute Schmerzfreiheit, ein intaktes Gleichgewicht und ein normales Grundkraftniveau.   

Der Erhalt der Stammesmuskulatur ist auch bei Pferden möglich, die sich Aufgrund von Erkrankungen oder Schmerzen nicht aktiv Bewegen können bzw. dürfen. Durch das Isometrische Training werden Muskelkontraktionen ausgelöst, ohne aktive Bewegung des Pferdes. Die Muskelspannung wird langsam, mittels sanftem Druck auf bestimmte Punkte ausgelöst, gehalten und ebenso langsam wieder abgebaut. Während dieser Übungen ist die Atmung und das Verhalten  genau zu beobachten, da bereits ein geringer Druck bzw. Widerstand für das Pferd eine maximale Muskelkontraktion bedeuten kann. Erhöht sich die Atmung oder schwitzt das Pferd übermäßig, sollten die Trainingswiederholungen reduziert werden. Näheres unter ‚Tierphysiotherapie und Therapieformen’.  

Ebenso kann der Einsatz eines pulsierenden Magnetfeldes unterstützend wirken. Das Magnetfeld durchdringt den Organismus vollständig und fördert so die Tiefenwirkung. Es wirkt sich somit auch positiv auf die im Alter geschwächten Strukturen aus. Neben der vermehrten Mineralisierung der Knochen fördert es auch die Wundheilung. Außerdem wird angenommen, dass es zu einer Festigung der kollagenen Strukturen von Sehnen und Bändern führt. 

Das Magnetfeld sollte jedoch nicht bei Pferden eingesetzt werden, die unter Herzproblemen oder Entzündungen und Infekten leiden. Durch das Magnetfeld kann z.B. die Herzfrequenz beeinflusst werden, ist dieses Organ jedoch erkrankt kann es zu schwerwiegenden Problemen führen. Entzündungen können durch die Mehrdurchblutung über den gesamten Organismus gestreut und Infekte verstärkt werden. Ein Einsatz des pulsierenden Magnetfeldes sollte also gerade bei älteren Tieren mit dem behandelnden Tierarzt abgesprochen werden. Siehe auch ‚Tierphysiotherapie/Elektrotherapie’

 

 

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